
König Charles III. in Washington, Pentagon gibt 400 Millionen für Kiew frei – Zufall?

Von Rainer Rupp
Kaum hatte der britische König Charles III. am 28. April 2026 Washington besucht und in seiner Rede vor dem US-Kongress zu "unerschütterlicher Entschlossenheit" bei der Unterstützung der Ukraine aufgerufen, gibt das Pentagon ein weiteres Militärhilfepaket für Kiew frei. Kriegsminister Pete Hegseth bestätigte am 29. April die Freigabe von 400 Millionen Dollar aus dem Ukraine Security Assistance Initiative (USAI). Das Geld war bereits im Dezember 2025 im Rahmen des 900-Milliarden-Dollar-Verteidigungshaushalts bewilligt worden, lag aber monatelang auf Eis – bis zum Staatsbesuch seiner britischen Majestät.
Mit seinem Aufruf zu "unerschütterlichen Entschlossenheit", der Ukraine zum Sieg über Russland zu helfen, traf Charles III. beim US-Kongress ins Schwarze. Spontan erhoben sich der gesamte US-Kongress, Senatoren und Vertreter im Abgeordnetenhaus, zu "Standing Ovation", zu einem langen, nicht enden wollenden Beifall. Das zeigt besser alle öffentlichen Beteuerungen Donald Trumps, er wolle den Konflikt durch Friedensverhandlungen mit Russland beenden, dass die herrschende Klasse in den USA weiterhin militärisch fest an der Seite Kiews steht, um Russland strategisch zu schwächen.
Wenn Trump zuletzt von "sehr guten Gesprächen" mit Wladimir Putin sprach und andeutete, eine Lösung sei "relativ schnell" möglich, dann sind das nichts als Nebelkerzen. Denn selbst wenn Trump das persönlich ernst meinen würde, kann er allein, d. h. ohne den für Außen- und Sicherheitspolitik zuständigen Senat, zu keiner dauerhaften Lösung mit Russland kommen. Entsprechen meinen auch US-amerikanische Trump-Kritiker, die schönen Worte über eine "relativ schnelle" Lösung des Ukraine-Konflikts seien nur dazu da, seine wegen Iran aufgebrachte MAGA-Wählerschaft zu besänftigen. Denn laut Umfragen im April 2026 (vom Economist and YouGov in Auftrag gegeben) sehen viele seiner Wähler den anhaltenden Geldfluss nach Kiew zunehmend kritisch. Zahlreiche Republikaner fordern eine Reduzierung oder sogar eine komplette Einstellung der Ukraine-Hilfe.

Hinter den Kulissen des Washingtoner politischen Theaters ändert sich die Linie des US-Militärapparats keinen Millimeter. Verzögerungen beim Hilfsfluss an die Ukraine sind nicht auf nachlassenden politischen Willen oder echtes Interesse an Verhandlungslösungen zurückzuführen. Der einzige echte Engpass ist die Produktionskapazität des US-militärisch-industriellen Komplexes. Munition, Raketen und Waffensysteme können nicht schnell genug hergestellt werden, zumal große Mengen jetzt gebraucht werden, um die halb leeren Vorratslager der eigenen und der israelischen Streitkräfte wieder aufzufüllen. Der Trump-Administration gelingt es zwar, neue Verträge mit Rüstungsfirmen zu schließen – etwa für Patriot-Systeme oder Tomahawk-Raketen –, doch die erweiterte Produktion wird erst in mehreren Jahren liefern können. Bis dahin bleibt die Lieferfähigkeit und die Versorgung der Ukraine begrenzt.
Seit Beginn des Krieges haben die USA mit Stand Ende 2025 insgesamt rund 188 Milliarden Dollar für die Ukraine bereitgestellt. Neue große Hilfspakete gibt es unter Trump jedoch kaum noch. Die Unterstützung ist 2025 stark eingebrochen, was auch mit dem brutalen, völkerrechtswidrigen Zwölf-Tage-Angriffskrieg der USA und Israels gegen Iran im Juni letzten Jahres zu tun hat, bei dem große Mengen der nur begrenzt vorhandenen Tomahawks und Luftabwehrraketen verballert wurden.
Washingtoner Friedensrhetorik hin oder her – das Pentagon und der Rüstungskomplex bestimmen die Realität. Jede Verzögerung hat rein technische Gründe: Produktionszeiten für 155-Millimeter-Artilleriemunition, HIMARS-Raketen oder andere Systeme. Eine strategische Neuausrichtung hin zu echter Diplomatie ist nicht in Sicht. Solange die US-Industrie nicht schneller produzieren kann, fließt die Hilfe für die Ukraine eben tröpfchenweise weiter – unabhängig davon, was der Präsident in der Öffentlichkeit verkündet.
Der Besuch des britischen Monarchen und die zeitgleiche Freigabe der Mittel machen eines überdeutlich: Die transatlantische Militärallianz zur strategischen Schwächung Russlands läuft weiter auf Autopilot. Ob in Washington, London oder Brüssel – die Rüstungsmaschinerie dreht sich, während die Friedensgespräche vor allem eines sind: gut klingende Kulisse für ein Publikum, das vor allem in der Ukraine längst genug von diesem teuren Stellvertreterkrieg hat, bei dem bis zum letzten ukrainischen Soldaten gekämpft werden soll.
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